Sicherheit statt Selbstverwirklichung im Job – die junge Generation ist pragmatischer als ihr Ruf
Über die junge Generation wird im Kontext des Arbeitsmarktes viel gesprochen. Häufig gilt sie als besonders anspruchsvoll und ihrem Arbeitgeber gegenüber wenig loyal. Aber wie sieht die junge Generation die Arbeitswelt selbst?
Dieser Frage sind wir bei IFAK im Rahmen der Studie „Arbeitgeber der Zukunft 2026/27“ im Auftrag des WDR und 1LIVE nachgegangen. Von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 haben wir bundesweit 2.086 junge Menschen im Alter von 14 bis 34 Jahren online befragt.
Die Ergebnisse zeichnen in den aktuell schwierigen Zeiten ein überraschend bodenständiges Bild, das gängige Annahmen über die junge Generation infrage stellt.
In unsicheren Zeiten gewinnt Sicherheit an Bedeutung
Junge Menschen kennen Krisen nicht als Ausnahme, sondern als Normalität. Pandemie, Inflation, geopolitische Konflikte und eine schwächelnde Wirtschaft haben viele von ihnen geprägt.
Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die Befragten vor allem drei Aspekte als entscheidend bewerten:
eine angemessene Vergütung,
ein gutes Arbeitsklima
Sicherheit und Stabilität des Arbeitsplatzes.
In öffentlichen Debatten entsteht häufig der Eindruck, junge Menschen würden ihre Arbeitgeber vor allem nach Kriterien wie flexiblen Arbeitszeiten, Remote Work oder einer möglichst ausgeglichenen Work-Life-Balance auswählen. Die Ergebnisse zeigen jedoch eine andere Perspektive.
Natürlich spielen moderne Arbeitsbedingungen weiterhin eine Rolle. Wenn es jedoch um die wirklich entscheidenden Faktoren geht, rücken klassische Bedürfnisse in den Vordergrund: finanzielle Sicherheit, ein stabiles Beschäftigungsverhältnis und ein Arbeitsumfeld, in dem Wertschätzung gelebt wird.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten scheinen diese Aspekte an Bedeutung zu gewinnen. Wer nicht sicher weiß, wie sich Arbeitsmarkt, Branchen oder die eigene finanzielle Situation entwickeln werden, wünscht sich vor allem einen Arbeitgeber, auf den Verlass ist.
Zum Vergrößern bitte anklicken.
Gute Führung wird zum Wettbewerbsfaktor
Besonders sticht die Bedeutung der Unternehmenskultur und des Betriebsklimas heraus. Junge Menschen beurteilen Arbeitgeber nicht allein nach Gehalt und Sicherheit. Entscheidend ist auch, wie miteinander gearbeitet wird.
Unternehmen, die junge Mitarbeitende gewinnen und langfristig binden möchten, sollten diesen Punkt nicht unterschätzen. Ein attraktiver Arbeitgeber zeichnet sich nicht nur durch gute Konditionen aus, sondern auch durch seine Unternehmenskultur.
Fakten statt Klischees
Für uns bei IFAK ist die Studie ein gutes Beispiel dafür, warum belastbare Daten wichtiger sind als Annahmen. Gesellschaftliche Diskussionen werden häufig von Einzelbeobachtungen, Schlagzeilen oder Klischees geprägt. Die tatsächlichen Einstellungen und Bedürfnisse sind oft deutlich differenzierter.
Die Ergebnisse zeigen: Junge Menschen wünschen sich in der aktuellen Zeit keine radikal neue Arbeitswelt. Sie suchen vielmehr nach den gleichen grundlegenden Dingen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon immer beschäftigt haben: faire Bezahlung, Sicherheit und ein gutes Miteinander.